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Aktenzeichen «Kormoran & Co. ungelöst»

Die Geschichte der Auseinandersetzungen mit fischfressenden «Konkurrenten» aus dem Tierreich ist mindestens so alt wie der SFV. Schon die Gründungsversammlung stand in ihrem Zeichen.

1883: Ein Protokoll der Gründungsversammlung des «Schweizerischen Fischerei-Vereins» (so hiess der SFV bis 1958) vom 11. August in Zürich existiert laut Verbandschronik zum 100. Jubiläum nicht. Einziges Dokument ist ein Bericht der Neuen Zürcher Zeitung. Darin heisst es: «Nach definitiver Statutenfestsetzung wurde (...) hauptsächlich auf besseren Schutz des Fischbestandes gegen die schädlichen Thiere hingewirkt und eine Revision des neuen Jagd- und Fischereigesetzes angebahnt. In dieser Hinsicht wurde der Krieg in erster Linie den Fischottern und Reihern, in zweiter den Möwen, Schwänen und Enten (wilden und zahmen) erklärt.»

1888: Das neue Bundesgesetz enthält den berüchtigten Artikel 22: «Die Ausrottung von Fischottern, Fischreihern und andern, der Fischerei schädlichen Tieren ist möglichst zu begünstigen.» (Der Fischotter wird erst 1952 unter Schutz gestellt.)

1894: Der SFV ortet Unterwasser-Prädatoren: Die Generalversammlung spricht sich für eine Intensivierung des Trüschenfangs aus. Durch die Ausrottung der Trüsche könnte man Millionen von Fischen erhalten (!)

1902: Das SFV-Zentralkomitee bezeichnet die Möwe als «grossen Fischfeind».

Dann blieb es längere Zeit ruhig an der Prädatorenfront. Erst in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts belebte sich die Szene wieder.

1984: Erlass des Massnahmenplans «Graureiher und Fischerei». Dieser plädiert für ökologische und technische Massnahmen, lässt aber auch Einzelabschüsse zu. Der Plan ist unverändert in Kraft.

1995:
Publikation von Synthesebericht und Massnahmenplan «Kormoran und Fischerei». Die Arbeitsgemeinschaft Fischerei der Alpenländer (ArgeFA) fordert die Lösung des Kormoranproblems in den Brutgebieten.

1996: Eine Grosskundgebung der Mitgliedverbände der Europäischen Angler-Allianz (EAA) vor dem Europaparlament in Strassenburg verlangt am 26. 10. die EU zum Handeln in der Kormoranfrage auf.

2001: Im Vogelschutzgebiet Fanel werden die ersten zwei Kormoran-Brutpaare in der Schweiz beobachtet.

2005: Verabschiedung des Kormoran-Sommermassnahmenplans. Die vom 111er Club in Auftrag gegebene Gänsesägerstudie von Dr.  M. Escher wird publiziert und belegt die Existenz eines Säger-Problems.

2006: Die BAFU-Tagung «Fisch und Vogel» anerkannt das Vorhandensein eines Prädatorenproblems und skizziert Lösungsmöglichkeiten.

2007: Ein «Gipfeltreffen» der Präsidenten von SFV und SVS/Birdlife Schweiz verläuft erfolglos. Der Bundesrat heisst die Motion Dupraz für die Regulation der Prädatorenbestände gut. Das Jagdgesetz soll entsprechend geändert werden. Ein Postulat Aeschbacher, das die Vögel noch besser schützen will, wird (mit Vorbehalten) ebenfalls angenommen.

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