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EU-Kormoranfront in Bewegung

An zwei Tagungen in Bonn und Stuttgart wurde die Kormoranfrage diskutiert und ein europaweites Bestandesmanagement gefordert. SFV-Ressortchef Artenschutz Martin Peter war dabei. Nachstehend sein Bericht.

1979 wurde der Kormoran der Europäischen Vogelschutzrichtlinie unterstellt. Das war der Startschuss für sein erfolgreiches Comeback. Das freute die Vogelschützer, ärgerte jedoch die Fischer. Die EU-Kommission hat sich inzwischen vom Totalschutz verabschiedet und den Mitgliedsstaaten rechtliche Möglichkeiten eingeräumt, regional Massnahmen zur Vermeidung von Kormoranschäden zu ergreifen. Gewisse Dienststellen verweigern jedoch immer wieder derartige Vorkehren, unter Berufung auf eine von «Europa» vorgegebene Pflicht zum Kormoranschutz. Daraus entwickelte sich ein Ping-Pong-Spiel, das vorderhand griffige gesamteuropäische Lösungen blockiert. 


Als erster Schritt wäre eine europäisch abgestimmte, grenzüberschreitende und ökologisch verträgliche Regulation der Kormoranpopulation nötig. Grenzüberschreitende Managementmassnahmen sind in der EU nicht neu; sie werden seit Jahrzehnten etwa im Bereich der Meerfische angewandt (z.B. Schutz des Aals). Erstes Ziel künftiger Bemühungen zur Integration der Kormoranbestände in die europäische Kulturlandschaft müsste deren Halbierung sein

Dänemark
Dänemark ist das fortschrittlichste Land bezüglich Kormoranmanagement. Mit einem Bestand von 200'000 Vögeln im Juli/August und über 40'000 Brutstätten nimmt es im europäischen Vergleich eine prominente Stellung ein. Die ersten Brutkolonien entstanden 1971. Bis 1995 schnellten sie auf über 40'000 Brutplätze hoch. 

1994 erfolgten erste Eingriffe (Einölen der Eier). 2002 wurden 3718 Nester erfasst, 2007 bereits deren 6440. Der Anteil der Interventionskolonien stieg in der gleichen Periode von 8,5% auf 16,9%. Die Öl-Methode ist so erfolgreich, weil 45% der Kormorane am Boden brüten. Sie hat den Vorteil, dass die brütenden Vögel die Nester nicht verlassen. Der Nahrungsbedarf wird entsprechend reduziert. Ferner konnte die Zahl der Spätbrüter vermindert werden. Seit 2003 nimmt die Zahl der Kolonien ab, die Bildung neuer Kolonien wird erfolgreich verhindert, die Grösse etablierter Kolonien reduziert. Flankierend wird der Kormoran bejagt, insbesondere an Meerforellen- und Lachsflüssen.
 

Niederlande

Die meisten grossen Brutkolonien befinden sich auf Privatgrundstücken. Da keine Fischartenschutzprobleme existieren, wurde die Kormoranfrage bisher vernachlässigt. Der nationale Sportfischerverband betonte stets, Eingriffe in Brutkolonien würden von der Gesellschaft abgelehnt.

 

Inzwischen hat sich die Stimmung gewandelt: Noch in diesem Jahr soll ein Runder Tisch über Eingriffe diskutieren und einen Managementplan ausarbeiten. Das ist umso wichtiger, als die Niederlande sehr viele Brutkolonien beherbergen. Auf die Resultate dieser Gespräche und den Managementplan darf man füglich gespannt sein.
 

Deutschland

Das Kormoranmanagement ist Ländersache, ähnlich wie bei uns. Es gibt diverse richtungsweisende Länderverordnungen, so in Nordrhein-Westfahlen, Sachsen und  Bayern, andere werden nachgebessert. So werden in Brandenburg seit einigen Jahren Aktionen gegen die Brutkolonien durchgeführt. 2005 wurden, verteilt zwischen fünf Störversuchen, während der gesamten Brutperiode immer wieder Eier entnommen und auf die Brutentwicklung kontrolliert. Am Anfang waren die Eier nicht angebrütet, der Erfolg der Aktion daher nicht nachweisbar; erst beim letzten Mal war das Resultat zufriedenstellend. 2006 und 2007 wurde nur noch jeweils in zwei aufeinander folgenden Nächten bei gut angebrüteten Eiern gestört. Damit war der Aufwand am geringsten. Man konnte sich aufwärmen und musste nicht die ganze Nacht bei der Kolonie verbringen.


Für 2008 wurde ein Antrag für vier Kolonien gestellt, in mindestens zwei Kolonien sollten Störaktionen durchgeführt worden sein. Die Aktionen werden vom zuständigen Landesfischereiverband, mit dem man gut zusammenarbeite, beantragt und auch durchgeführt und jeweils von der Staatlichen Vogelwarte begleitet. In Brandenburg werden Kormorankolonien auch von Seeadlern, Minks und Waschbären «kontrolliert». 

Aus schweizerischer Sicht war das benachbarte Baden-Württemberg weit im Hintertreffen: Die grenznahen Brutkolonien setzen unseren Fischbeständen stark zu. Dank einem mutigen Entscheid des Regierungspräsidiums Freiburg hat man nun eine Vergrämungsaktion im Naturschutzgebiet Radolfzeller Aachried durchgeführt. Die Erfolgsquote lag bei ca. 70%. Es ist jedoch ein grosses Anliegen der deutschen Angler, dass ein gesamteuropäischer Kormoranmanagementplan entwickelt wird, der dem schweizerischen Modell entsprechen sollte.

Weit über vier Millionen Angler warten seit Jahren auf einen wirksamen gesamteuropäischen Kormoran-Managementplan.

Fazit

Der einzelne Kormoran ist nicht das Problem, sondern seine (zu) grosse Zahl. Europa und die Schweiz stehen vor der Frage, ob sie sich in ihrer Kulturlandschaft, deren ökologisches Gleichgewicht sehr labil und ständig bedroht ist, einen derart hohen Kormoranbestand leisten wollen und aus volkswirtschaftlicher, sozialer, kultureller und ökologischer Sicht auch leisten können.
 

Wir schreiben hier im Namen von mehr als vier Millionen europäischen Anglern, also von Menschen, die sich für den Schutz der Natur, den Erhalt der Gewässer und der Fischbestände mit eigenem Geld und in ihrer Freizeit einsetzen, ferner von Menschen, die vom Fang und der Veredelung der Fische leben. Wir reden schliesslich von einer Freizeit- und Tourismusbranche mit Tausenden von Arbeitsplätzen!

 


Philipp Sicher - neuer «Mister SFV»

Am 1. Juli hat Philipp Sicher das Amt des SFV-Geschäftsführers übernommen. Er übt diese Funktion im halbamtlichen Mandatsverhältnis aus.

Mit dem 55jährigen dipl. Ing. agr. ETH aus Gurtnellen (UR) übernahm ein passionierter Angler mit Unternehmer- und Politikerhintergrund die SFV-Schaltzentrale. Der neue Steuermann des SFV-Schiffleins bringt ausserdem einen gut gefüllten fischereilichen Erfahrungsrucksack mit: Ab 1982 wirkte er im Nebenamt als kantonaler Fischereiaufseher und von 1986 bis 2003 als Stellvertreter des kantonalen Fischereiobmanns (u.a. verantwortlich für die Planung der Gewässerbewirtschaftung). In diesen Funktionen besuchte er die BAFU-Weiterbildungskurse für kantonale Fischereiverwalter. Seit 1992 gehört er der kantonalen Fischereikommission an. Daneben engagierte er sich in der Jugendarbeit (u.a. als Coach der siegreichen Crew an der Jungfischerolympiade 2005) und als Mitorganisator der Ausstellung zum 100jährigen Bestehen des Urner Fischerei-Vereins.
 

Philipp Sicher ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Er fischt seit seinem 18. Lebensjahr, vorab in den Gewässern seines Heimatkantons, aber regelmässig auch in Skandinavien, Schottland und Alaska, seit seiner Heirat zumeist in Begleitung seiner ebenfalls fischenden Gattin. Als «leidenschaftlicher Fliegenfischer» baut er seit gut 30 Jahren seine Gespleissten selber. International vernetzt, organisierte er 2006 mit einigen Kollegen das erste Rutenbauertreffen in Sarnen. Daraus entstand im vergangenen Frühling das erste europäische Rutenbauertreffen in Italien (mit Beteiligung aus den USA). Und wenn er gelegentlich abhebt, dann als Konstrukteur von Modellhubschraubern.
 

Beruflich blickt er auf eine 27jährige Karriere als Mitarbeiter, von 1995 bis zum Verkauf im Jahr 2007 als Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident des Familienunternehmens Sicher Natursteine AG zurück. Politisch aktiv war er als Gemeinderat von Gurtnellen, als FDP-Landrat sowie als Mitglied mehrerer kommunaler und kantonaler Kommissionen. 


ONLINE-DOSSIERS

Zu den folgenden Schwerpunktsthemen hat der SFV ausführliche Online-Dossiers eingerichtet:

Pestizide

Das Argumentarium zur Pestizid- und Trinkwasserinitiative

Dossier Doubs

Online Dossier zur Rettung des Doubs

Fischabstieg

Online-Dossier zum vergessenen Weg zurück

Das Bachneunauge

Online-Dossier zum Fisch des Jahres 2017

FISCHER MACHEN SCHULE

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